Emil Nikolaus von Reznicek - Forschung

Sonntag, April 30, 2017

Errichtung des Emil Nikolaus von Reznicek - Archivs (Wedemark)

Emil Nikolaus von Reznicek (1860-1945) gehört zu jenen Komponisten, deren Schaffen in der Spätromantik wurzelte, dessen Schaffen aber weit in das 20. Jahrhundert hineinragte. Im Zeichen des Aufbruches der avantgardistischen Musik nach dem zweiten Weltkrieg geriet dieses Schaffen zunehmend in Vergessenheit; erst in den letzten Jahren wird diesem (ähnlich etwa dem Schaffen Alexander Zemlinksys, Walter Braunfels oder Felix Woyrschs) neuerliche Beachtung geschenkt. Der Vernachlässigung der Werke Rezniceks im Musikbetrieb entsprach ebenso eine weitgehende Nichtbeachtung des Komponisten seitens der Musikwissenschaft. Die letzte nenneswerte Arbeit zu diesem Thema ist die Biographie Gegen den Strom, die Rezniceks Tochter Felicitas von Reznicek (1904-1997) im Jahre 1960 veröffentlicht hat und die auf die unveröffentlichten Memoiren zurückgeht, die Reznicek selbst 1941 zu Papier gebracht hat. (Die Veröffentlichung dieser Memoiren wurde seinerzeit durch das Reichsprodagandaministerium untersagt). Diese Biographie von 1960 prägt bis heute das gängige Reznicek-Bild. Damit basieren auch alle gängigen Lexikonartikel oder Programmnotizen auf dieser Darstellung, ohne daß die Entstehungsgeschichte der Veröffentlichung bislang bekannt war. Das hat allerdings Konsequenzen für die Einschätzung dieser Publikation: es ist diese weniger eine wissenschaftliche Arbeit, sondern selbst eine (indirekte) Quelle: Emil Nikolaus von Reznicek war im Jahre 1941 bereits einundachtzig Jahre alt. An manches genaue Datum konnte er sich nicht mehr erinnern. Manches Detail aus seinem Leben wollte er wohl auch nicht direkt preisgeben, sondern allenfalls andeuten. Vieles aber konnte er 1941 nicht aussprechen: z.B. konnte er nicht wiederholen, was er von 1933 offen bekundet hatte, nämlich das der größte künstlerische Eindruck seines Lebens von Gustav Mahler ausgegangen war, oder daß der für ihn ideale Dirigent seiner Werke Artur Nikisch hieß. Es steht also außer Frage, daß die Reznicek-Biographie von 1960 heutigen Anforderungen nicht mehr genügt und nach einem musikwissenschaftlichen Neuansatz verlangt, der einerseits auf eine sehr viel breitere Quellenbasis gestützt sein müßte und andererseits im Blick behält, daß Rezniceks Memoiren von 1941 eine Art der Selbststilisierung unter den spezifischen Bedingungen einer Diktatur darstellen, die ihn zwangen, wesentliche Aussage zu verschweigen. Am Ende wird ein sehr viel komplexeres Bild seiner Persönlichkeit stehen, die eben mehr war, als ein Überbleibsel der operettenhaft-seeligen Donaumonarchie.

Emil Nikolaus von Reznicek setzte in seinem Testament seine Tochter Felicitas als Erbin und Verwalterin seines künstlerischen Nachlasses ein. Diese wiederum übertrug dies Aufgabe ihrem Großneffen und Urenkel Rezniceks Horst Michael Fehrmann (Wedemark). Das wieder erwachte Interesse an dem Schaffen seines Urgroßvaters bewog den jetzigen Nachlaßverwalter 2014, die Editio Reznicek ins Leben zu rufen, die die zahlreichen ungedruckt gebliebenen Werke Rezniceks nach und nach der Öffentlichkeit zugänglich machen will. (Vgl. dazu auch den vorherigen Post). Gleichzeitig wurde mit dem Aufbau eines Reznicek-Archivs begonnen, das sich zur Aufgabe gesetzt hat, möglichst alle verfügbaren Dokumente zu Leben und Werk Emil Nikolaus von Reznicek zu sammeln und künftiger musikwissenschaftlicher Arbeit zur Verfügung zu stellen. Alle interessierten Musikwissenschaftler, aber auch ausübende Künstler sind herzlich eingeladen, sich bei entsprechendem Interesse an dieses Reznicek-Archiv zu wenden. (Kontaktaufnahme über das Kontaktformular der offiziellen Reznicek-Webseite: www.vonreznicek.de).

Die Sammlung von Reznicek-Dokumenten befindet sich, wie gesagt, derzeit noch im Aufbau. Die modernen Recherchemöglichkeiten durch das Internet sowie die zunehmende Digitalisierung von historischen Zeitschriften haben auch schon zur Auffindung von zahlreichen bislang unbekannten Briefen und Zeitungsnotizen geführt, die die Quellenbasis für die kommende Reznicek-Forschung enorm erweitern werden. Eine unbekannte Größe stellen jedoch Briefe und (sehr wahrscheinlich) auch musikalische Manuskripte dar, die sich in Privatbesitz befinden. Es sei darum an dieser Stelle die herzliche Bitte und Einladung an etwaige Besitzer ausgesprochen, sich mit dem Reznicek-Archiv in Verbindung zu setzen und diesem gegebenenfalls eine Kopie solcher Dokumente zur Verfügung zu stellen. Kontakt über: info@vonreznicek.de

Labels: , ,

Donnerstag, April 27, 2017

Editio Reznicek (WEDEMARK)

Die Editio Reznicek (WEDEMARK)


Editio Reznicek

Für Emil Nikolaus von Reznicek war die schöpferische Arbeit an einem Werk mit dessen Niederschrift (bisweilen auch mit dessen späterer Überarbeitung) beendet. Schon das Anfertigen eines Klavierauszuges betrachtete er als notwendige Strafarbeit. Die Vermarktung seiner Kompositionen war ihm darum auch eine eher lästige Pflichtübung. Entsprechend groß ist die Anzahl der Werke, die nicht zum Druck befördert wurden und nur als Manuskript erhalten sind.

Die von Rezniceks Urenkel Horst Michael Fehrmann ins Leben gerufene Editio Reznicek (Wedemark) hat es sich zum Ziel gesetzt, diese nachgelassenen Werke für die Öffentlichkeit zu erschließen. Die jeweiligen Nummern der Edition werden „On demand“ hergestellt und vertrieben; die zugehörigen Aufführungsmaterialien sind leihweise erhältlich. (Anfragen zu Konditionen und Preisen der Editio Reznicek über das Kontaktformular dieser Seite).


Bisher erschienen (Stand November 2017)

Editio 1000: 2. Streichquartett (1905) [Partitur und Stimmen]

Editio 1001: 4. Streichquartett (1921) (Ursprünglicher Schlußsatz) [Partitur und Stimmen]

Editio 1002: 5. Streichquartett (1930) [Partitur und Stimmen]

Editio 1003: Till Eulenspiegel – Sinfonisches Zwischenspiel in Form einer Ouvertüre (1901) [Partitur und Stimmen]

Editio 1004: Konzertstück für Violine und Orchester (1917) [Partitur und Stimmen]

Editio 1005: Präludium und Fuge c-moll für Orchester (1912) [Partitur und Stimmen]

Editio 1006: Mea culpa (Vorspiel: Das Opfer) für Streichorchester/Streichquintett (1932) [Partitur und Stimmen]

Editio 1007: Suite aus Polizei für Streichorchester/Streichquintett (1926) [Partitur und Stimmen]

Editio 1008: Präludium und Fuge cis-moll für Orchester (1. Fassung 1904) [Partitur und Stimmen]

Editio 1009: Ernster Walzer für Orchester (1925) (Ursprünglich 3. Satz aus Tanzsinfonie) [Partitur und Stimmen]

Editio 1010: Valse pathetique für Orchester (1923) [Partitur und Stimmen]

Editio 1011: Valse pathetique (für Salonorchester) (1923) [Partitur und Stimmen]

Editio 1012: Valse pathetique für Klavier (1923)

Editio 1013: Walzer-Serenade für Klaviertrio (1923) (Ausschnitt aus Valse pathetique) [Partitur und Stimmen]

Editio 1014: Die verlorene Braut (1909): Ouvertüre & Zwischenaktmusik (Walzer-Intermezzo) [Partitur und Stimmen]

Editio 1015: Lied: Wiewohl ich arm und elend bin (Gesang+Klavier)

Editio 1016: Kantate Vom ewigen Frieden (1930) [Partitur und Stimmen]

Editio 1017: Walzer-Suite (Ernster Walzer; Walzer-Zwischenspiel; Valse pathetique) für Orchester [Partitur und Stimmen]

Editio 1018: Festouvertüre Dem befreiten Köln (1926) [Partitur und Stimmen]

Editio 1019: Präludium und Fuge cis-moll für Orchester (2. Version 1907) [Partitur und Stimmen]

Editio 1020: Raskolnikoff-Fantasie I (1926) [Partitur und Stimmen]

Editio 1021: Der Frieden – Eine Vision für Chor, Orgel und Orchester (1913) [Partitur und Stimmen][in Vorbereitung]

Editio 1022: Ruhm und Ewigkeit – 3 Lieder für Tenor und Orchester (1904)[Partitur und Stimmen] [in Vorbereitung]

Editio 1023: 2 Balladen aus fredericianischer Zeit (1912) (Baß und Klavier/Orchester) [Partitur und Stimmen]

Editio 1024: Potpourri aus Kapellmeister Kreisler (1923) (Salonorchester) [Partitur und Stimmen]

Editio 1025: Der rote Sarafan (1891) (Militärorchester) [Partitur und Stimmen]

Editio 1026: Grünne-Marsch (Militärorchester) (1890) [Partitur und Stimmen]

Editio 1027: Probszt-Marsch (Militärorchester) (1891) [in Vorbereitung]

Editio 1028: Preghiera aus Emmerich Fortunat (1892) (Militärorchester) [Partitur und Stimmen]

Editio 1029: Marsch (1915) (Klavier)

Editio 1030: Marsch (Militärorchester) (1915) [Partitur und Stimmen]

Editio 1031: Marsch (Orchester) (1915) [in Vorbereitung]

Editio 1032: 4 Bet- und Bußgesänge für Alt/Bariton und Klavier/Orchester (1913) [Partitur und Stimmen]

Editio 1033: Das goldene Kalb – Ballett in drei Akten und einem Nachspiel. Szenario von Viggo Cavling (1934/35) [Partitur und Stimmen] [in Vorbereitung]

Editio 1043: Chor - Von rechter Art und Stetigkeit. - Gemischter Chor (und Orgel ad. lib). (1933) [Partitur]

Editio 1044: Benzin – Ein heiter-phantastisches Spiel mit Musik in zwei Akten (1929) [UA 2010] – [Partitur und Stimmen]

Editio 1045: Benzin - Klavierauszug

Labels: , , ,